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Solobild



WALZERWAHNSINN



Sie bringen den Walzer zum Durchdrehen!
Jenen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch verpönten Tanz, der als Verleitung zu Rausch, Hemmungslosigkeit und Anarchie verstanden wurde. Sie tauchen ein in seine hypnotische Drehbewegung, seine ureigene Trance und bringen ihn zurück in den musikalischen Diskurs der Gegenwart.

Als Freigeister der traditionellen Streichmusik verbinden Matthias Lincke und Andrea Kirchhofer an der Geige, Elias Menzi am Appenzeller Hackbrett und Bassgeiger Hiasl ihre traditionellen Wurzeln mit ihrem Drang nach spontanem musikalischen Ausdruck. In traditioneller «Altfrentscher Besetzung» überraschen sie seit Jahren mit gewagten Verbindungen von Streichmusik und Improvisation.
Wenn Barbara Gisler am Cello zu ihnen stösst, erweitert sie das Quartett zur «Original-Appenzeller-Streichmusik-Besetzung», jener klassischen Besetzung, die zur Blütezeit der Streichmusik anfangs des 20.Jahrhunderts den bis heute gültigen Standard prägte.

In der Schweizer Walzertradition spielt die Appenzeller Streichmusik mit Spezialitäten wie dem Ländlerli, der Masollke oder dem Totenwalzer eine Schlüsselrolle. Ihre schier unerschöpflichen Quellen lassen erahnen, dass die Geschichte des Walzers in der Schweiz weit zurückreicht vor die Vereinnahmung des Walzers durch die Wiener Musiktradition.

Als Ende des 18.Jahrhunderts, Hand in Hand mit der Revolution, der Walzer ganz Europa in Taumel versetzte, elektrisierte, erotisierte, wurde mit ihm die Matrix der heutigen alpinen Volksmusik ins Leben gerufen.
Heute ist der Walzer als Inbegriff einer Welt von gestern zum Museumsstück geworden.
Kann er noch einmal zurückgeführt werden auf seine Wurzeln, die im Wahnsinn einer Welt im Aufbruch liegen,
aufgewirbelt von Revolutionen und gesellschaftlichen Umbrüchen?

«Walzerwahnsinn», eine an traditionelle Walzerketten angelehnte Komposition von Matthias Lincke, kontrastiert den Wahnsinn von damals mit dem Irrsinn der Welt von heute. Traditionelle Motive gehen, ihrer inneren Dynamik folgend, über in komplexe Strukturen und vernetzen sich mit dem musikalischen Horizont der Gegenwart.
Mit Gespür und Spielwitz befördern die fünf Ausnahmemusikant:innen den Walzer auf eine neue Ebene und bringen sein innerstes Wesen an die Oberfläche: Manie, Melancholie, Hysterie und Euphorie!

Während sich heute die Wenigsten noch zum Walzertanzen hinreissen lassen, ist unsere postmoderne, musikalische Sprache gleichwohl noch immer durchdrungen von seinem Geist.
Der Walzer bleibt und treibt neue Blüten, und mit ihm der kreative Wahnsinn!


Erstaufführung
23.08.2026
Stubete am See
Zürich, ZH


Weitere Konzerte folgen!

Matthias Lincke (Geige, Komposition)
Andrea Kirchhofer (Geige)
Elias Menzi (Appenzeller Hackbrett)
Hiasl (Kontrabass)
Barbara Gisler (Cello)



Mehr zur Altfrentschen Besetzung inkl. Tonbeispiele und Videos hier.